Die Leistungen der Spitzensportler sind immer wieder atemberaubend. Eins ihrer Geheimnisse ist aber letztlich: die Achtsamkeit. Was alle Läufer vom Mentaltraining der Topathleten lernen können
Die Spitzensportler erinnern uns immer wieder daran, zu welchen außergewöhnlichen Leistungen Menschen fähig sind. Klar, jahrelanges Training geht dem voraus. Aber woran die wenigsten denken: Meditation und Achtsamkeit. Um das kommt aber inzwischen kaum ein Spitzensportler drum rum. Man hat erkannt und namhafte Studien belegen das ebenso, dass regelmäßige Meditation Hirnstrukturen so verändern kann, dass sich die sportliche Leistung verbessert.
Wie Meditation und Achtsamkeit auf die Leistungen wirken
Achtsamkeit trainiert vor allem den präfrontalen Cortex. Dieser ist dafür zuständig ist, den Geist in einen Zustand der Aufmerksamkeit und Ruhe zu versetzen. Ein Zustand, der sehr ideal ist, um Spitzenleistungen abzurufen. Achtsamkeit hilft aber nicht nur da – sie hilft darüber hinaus auch in den Zustand – namens „Flow“ zu kommen: die Aufmerksamkeit auf den Augenblick zu richten und voll und ganz im Moment aufzugehen.
Wie der Zufall es will, entdecke ich ein Buch, das „mehr“ bietet als das, was sonst in der westlichen Läuferliteratur zu finden ist und zwar ein Buch:
über die Erfolgsgeheimnisse äthiopischer Läufer
Einer wollte es genau wissen! Um die Geheimnisse hinter dem Erfolg der äthiopischen Läufer zu ergründen, wurde er ein Teil von ihnen. 15 Monate lang lief und trainierte der britische Wissenschaftler und Marathonläufer Michael Crawley zusammen mit äthiopischen Läufern in Äthiopien. Jetzt weiß er es genau: was die Laufkultur des Landes dort ist und was sind die Erfolgsgeheimnisse. Seine Erkenntnisse sind verblüffend wie einfach zugleich. Hier nur paar Stichwörter:
- an heiligen Orten (Bergen) mit heiligen Boden trainieren
- an Orten, an denen Energien sehr lebendig sind
- in besonderer (hoher) „Luft“ laufen
- im Zickzack laufen
- in der Gruppe trainieren
- den Spaß nicht vergessen….
Kurz: er fand heraus, dass in Äthiopien eine sehr viel intuitivere, kreativere und experimentierfreudigere Herangehensweise an das Laufen zu finden ist als das, was man im Westen kennt. Ein junger äthiopischer Läufer soll ihm erklärt haben: „Ein Wissenschaftler weiß nicht, was Zeit ist, und ein Mediziner läuft nicht.“ Und vor allem hat ihm die verbrachte Zeit in Äthiopien gezeigt, dass dort Leistung und Spaß am Laufen sich nicht gegenseitig ausschließen.
Energien lassen sich in der Gruppe besser anzapfen
Allein zu laufen (wie auch alleine essen) wird in Äthiopien nicht kultiviert. Dort trainieren die Topathleten in Gruppen und wechseln sich beim Tempomachen ab. Die Läufer glauben fest daran, dass man Energien besser in der Gruppe anzapfen kann. Und nicht nur sie glauben – auch wissenschaftliche Studien belegen, dass Laufen in Gruppe einen dazu bringt, sich mehr anzustrengen.
Vergessen Sie die Zeit
Ist es wirklich wichtig, sie an allen Trainingstagen zu erfassen, auszuwerten? Nein. Die Uhren sollten immer wieder einfach zu Hause gelassen werden.
Im Zickzack oder Rückwärtslaufen zum Erfolg
Monotonie wirkt sich sehr nachteilig aus. Es gilt – sie zu vermeiden. Das machen die Spitzensportler auch so. Um Wiederholungen zu vermeiden, setzen äthiopische Läufer auf eine riesige Vielfalt. Dazu gehören beispielsweise – laufen kreuz und quer durch den Wald, wobei sich die Läufer in der Führung abwechseln und die Strecken daher ständig variieren. Das sorgt schlicht und einfach dafür, dass der Körper immer wieder aufs Neue in unterschiedlicher Weise belastet wird – eben: keine Routine, auch nicht für den Körper.
Wald, Wald und noch mal Wald – statt Asphalt
Äthiopische Läufer sind überzeugt, dass Laufen auf der Straße, wenn man es übertreibt, das Tempo austreibt. Darum laufen sie nur einmal pro Woche auf hartem Untergrund, die restliche Zeit im Wald, auf der Aschenbahn oder auf Schotterstraßen.
Mindestens genauso spannend ist in diesem Zusammenhang ein schon vor längerer Zeit erschienenes Buch „Running Buddha“ von Sakyong Mipham – einem ranghohen, tibetischen Lama und erfolgreichen Marathonläufer. Er beschreibt, wie man die innere Haltung der Achtsamkeit auf das Laufen übertragen kann. Wie es geht, den eigenen Körper und seine Belastbarkeitsgrenze wahrzunehmen, wie es geht, sich zu motivieren, wie man mit den Schmerzen umgeht und vor allem, wie man eine Absicht setzt und sie verwirklicht.
Buchtipps:
„Out of Thin Air: Running Wisdom and Magic from Above the Clouds in Ethiopia“ – heißt das Buch von Michael Crawley (britischer Wissenschaftler und Marathonläufer; seine Marathon Bestzeit – 2:20 Stunden) – das Buch ist derzeit nur in Englisch verfügbar.
„Running Buddha: Laufend zu sich selbst finden“ von Sakyong Mipham Rinpoche (Autor)

