ZEN Meditation – ein Erfahrungsbericht

ZEN im Allgäu zum Greifen nah. So erlebt man die traditionsreiche Welt der Meditation vor der Haustür. Loslassen im Zen-Kloster.

Meditations-Seshins im ZEN-Kloster Buchenberg im Allgäu. Ich habe es einfach ausprobiert und mein Fazit schon vorab: auf jeden Fall empfehlenswert!

Ob Meditationslehrer oder Anfänger – hier meditieren alle gemeinsam und für alle ist etwas dabei. Eins ist klar – ZEN-Kloster Buchenberg im Allgäu ist ein energiegeladener Ort, den niemand gleichgültig verlässt.

ZEN Meditation ist in aller Munde. Aber was ist überhaupt ZEN – genauer gesagt Daishin Zen? Das Daishin Zen ist ein eigenständiger Orden des japanischen Rinzai Zen in Deutschland. „Diese Linie orientiert sich an den Zielen des Buddha: Erst das allerhöchste eigene Ziel zu erlangen, um dann auch das allerhöchste Ziel für andere zu erreichen. Diese Orientierung auf das Mitgefühl und die Anforderungen der modernen Gesellschaft erfordern neue Wege.“ – so ist auf der Kloster-Website zu lesen.

Klingt gut und das ist es auch. Denn: Das Kloster Buchenberg ist ein echtes Zen-Kloster und ein echtes Zen-Seminarzentrum. Die Frage ist natürlich: was macht man nun genau in einem Zen-Kloster? Ja, einfach nur meditieren und vor allem das. Meditieren heißt dort Zazen und man kann zusammengefasst sagen: das tut man praktisch den ganzen Tag. Von morgens bis abends.

Begegnungen mit dem Selbst

Man könnte denken, das tun wir doch ehe die ganze Zeit oder etwa nicht? Aus der Perspektive der Meditation gesehen tun wir das paradoxerweise genau nicht oder eher nur ganz selten. Wir sind so sehr mit der „Außenwelt“ – der Welt der Objekte und der Erfahrungen beschäftigt, dass wir uns selbst kaum begegnen. Wenn wir nach „innen“ gehen – was man auch Meditation nennen kann – sind wir mit unserem Kern, unserer „Essenz“, der eigenen „Mitte“ oder wie auch immer man das nennen möchte (Seele, höheres Selbst …) verbunden.

Woran erkennt man denn, dass man sich selbst begegnet hat? Eine große Freude steigt auf. Das ist vielleicht das Auffälligste. Es ist letztlich aber gar nicht so leicht zu beschreiben, weil die Sprache immer nur eine sehr begrenzte Möglichkeit bietet, wenn es um diese innere Dimensionen geht. Aber es ist der Versuch wert: Es ist die Freude, das Glücksgefühl, eine kleine innere Glückseligkeit, die aufsteigt – und das scheinbar ohne Grund. Das sind Momente – das kennt jeder von uns – die einen ganz leicht und frei machen, man ist im Fluss, eine Gelassenheit stellt sich ein. Wer kennt das schon nicht – wenn man im Fluss ist, dann fügt sich vieles von alleine. Ob beruflich, privat oder einfach schöne Begegnungen. Es passiert scheinbar alles zum richtigen Augenblick – es ist so perfekt, dass dem nichts hinzugefügt werden kann.

Die Achtsamkeit bringt mehr Bewusstheit

Alle spirituellen Wege haben einen gemeinsamen Ursprung und ein gemeinsames Ziel. Erleuchtung. Oder zumindest das Bewusstsein anheben, erhöhen, das Bewusstsein erweitern. Es geht immer um die innere Entwicklung – um die Wege, wie man sich in der inneren Welt weiterentwickeln kann. Aber wo beginnt man? Zum Beispiel bei der Achtsamkeit. Die Achtsamkeit als eine besonders intensive Form der Aufmerksamkeit ist letztlich der Schlüssel dazu. Je mehr das geschult wird – um so schneller man entdeckt den „inneren“ Beobachter oder in vielen östlichen Traditionen auch das „Zeugesein“ genannt – was unser Wesen ist und nicht vergänglich  – darüber sind sich die großen Schulen rund um das Thema Bewusstsein einig.

Form & ZEN

Die Form im Zen hat eine gewisse Härte, auf den ersten Blick sehr logisch, sehr strukturiert. Das zieht den westlichen Geist an. Deswegen hat ZEN eine große Anziehung im Westen.  Aber nur auf den ersten Blick …. auch im ZEN muss man alles Logische loslassen, um ins Meditieren zu kommen.

Zen wirkt asketisch. Auf den ersten Blick eine strenge, japanische Form. Beim näheren Betrachten erkennt man – das ist einfach notwendig – das ist wie ein Seitenhieb für unser Ego, um all den angesammelten Ballast namens Erinnerungen, Begierden, Ideen, Konzepte, Identifikationen, Rollen … loszulassen.

Eins wird im Zen Kloster sehr schnell klar. Zen ist asketisch, recht streng, fromgetreu und es erfordert ein gewisses Maß an Selbstdisziplin und Ausdauer. Das hat aber auch alles seinen Sinn. Die Meditationstage beginnen früh und sie sind gut gefüllt. Um fünf Uhr in der Früh startet man mit Meditationseinheiten im Sitzen (Zazen) und Gehen (Kinhin). Es folgen Tee-Zeremonien (Sarei), Vorträge, Achtsamkeit, Vieraugen-Training mit der Meditationslehrerin (Taiwa). Gemeinsame Mahlzeiten,  alle schweigend. Das Essen – wie aus vegetarischer Fünf-Sterne-Küche.

Meditation im Zen-Kloster Buchenberg ist eine besondere Erfahrung. Auf den ersten Blick nicht unbedingt entspannend. Ganz im Gegenteil. So ein Seshin ist sehr anstrengend (dabei habe ich die seltene 3 Tages Variante gewählt – normalerweise dauert ein Seshin 7 Tage). Aber die Klostertage wirken lange nach. Es ist wie eine Zäsur im sonst so sehr beschäftigten Alltag – eine Einladung in die Tiefen des eigenen Seins. Ein Ausflug besonderer Art.

ZEN Meditation gibt es auch in der Meditationspraxis in Schondorf am Ammersee – im Rahmen des Förderkreises Meditation Ammersee gibt es die Möglichkeit, einmal im Monat gemeinsam zu meditieren.

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